15. June 2007
Die Krimis von Glenn Meade spielen in Deutschland, Ägypten, den USA – niemals in seinem Heimatland Irland. Warum das so ist, erklärte er im Deutschlandfunk folgendermaßen:
“Ich wuchs in einem typischen Dubliner Arbeiterviertel auf. Wir lebten in einer Hafengegend und das Letzte, was ich mir wünschte, war, genau hier zu leben. Hier passierte nichts interessantes – nichts exotisches. Ich kannte jede Straße, jede Gasse. Für mich war Reisen schon immer etwas Besonders.”
Damals entdeckte er seine Lust daran, weiße Blätter mit Buchstaben zu füllen.
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24. April 2007
Die Stadt Dublin ist der kontinuierliche Held in den Werken von James Joyce. Wie erklärt sich diese zähe Bindung, immerhin verbrachte er 2/3 seines Lebens im freiwilligen Exil (Triest, Zürich, Paris, Rom).
Aleida Assman gibt in dem Band drei Antworten:
1. Dublin ist Schauplatz seiner familiären Lebensgeschichte und damit die Stadt seines Erfahrungs- und Wissensschatzes.
2. Joyce ist Exilautor. Er verlies Irland aufgrund seiner Familie, Provinzialismus, Katholizismus & Nationalismus, hat sich aber geistig und emotional keinen Schritt entfernt. Es entstand ein ambivalentes Verhältnis von räumlicher Ferne und emotionaler Nähe.
3. Dublin ist kein Zentrum, wohl aber ein Mikrokosmos, der die Welt im kleinen abbildet. Joyce war der Überzeugung, dass der Weg zum Universalen über das Lokale und Nationale führt. Er sagte einmal: “Was mich anbetrifft, ich schreibe immer über Dublin, denn wenn ich zum Herzen von Dublin vordringen kann, kann ich auch zum Herzen aller Städte der Welt vordringen. Im Besonderen ist das Allgemeine enthalten.”

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19. January 2007
“…längerer Spaziergang mit den Freunden an der Elbe lang, an Teufelsbrück vorbei, Othmarschen, den rheumatischen Kastanien im Zugwind (20 schiefe Schultern, kameradschaftlich in Reih und Glied), der Ringelnatztreppe, die Övelgönne runter, Himmelsleiter, Schulberg, Lüdemanns Weg, Neumühlen, Kühlhaus, dann schräg rechts über die Geleise rüber zu den Kaianlagen mit dem offenen Blick aufs illuminierte Lüfterbauwerk Süd, könnte man da nicht fast zum Heimatautor werden?”
Peter Rühmkorf (1972)
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10. October 2006
Der Regionalkrimi als Ausgangspunkt für Reisen an die Schau(der)plätze wird von S. Hammelehle und T. Lindemann in der Welt am Sonntag vorgestellt. Die beiden Autoren beschreiben die Detailgenauigkeit der Lokalkrimis, die manchmal so präzise sind, dass der Leser keinen Shell-Atlas mehr braucht. Für Phantasie bleibt dann kein Raum mehr übrig.
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28. August 2006
“Ein Mensch holt sich für die bezweckte Fahrt in die Ferien viel Prospekte, die, was verdächtig, unentgeltlich in reichster Auswahl sind erhältlich und die in Worten wie in Bildern den Reiz jedweder Gegend schildern. Begeisternd sind die Pensione, in denen nette Menschen wohnen. Ganz herrlich sind die Alpentäler, wo preiswert Bett und Mittagsmähler. Doch würdig reifer Überlegung ist auch am Meere die Verpflegung. Es fragt sich nuir, ob Ost-, ob Nord-? Und schließlich, wie wär es an Bord? Nicht zu verachten bei den Schiffen der Lockruf: “Alles inbegriffen!” Der Mensch, an sich nicht leicht entschlossen, hat lesend schon genug genossen und bleibt von tausend Bildern satt, vergnügt in seiner Heimatstadt.”
Eugen Roth (1895-1976)
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14. August 2006
Kaum eine Region ist so stark als literarischer Handlungsort markiert wie der Kanton Graubünden durch die zwei Heidi-Romane aus den Jahren 1880 und 1881 von Johanna Spyri. Hier ein kleiner Auszug:
“Jetzt fiel ein roter Schimmer vor seinen Füßen auf das Gras, es kehrte sich um, da – so hatte es die Herrlichkeit nicht mehr im Sinn gehabt und auch nie so im Traum gesehen – die Felshörner am Falknis flammten zum Himmel auf, das weite Schneefeld glühte und rosenrote Wolken zogen darüber hin; das Gras rings auf der Alm war golden, von allen Felsen flimmerte und leuchtete es nieder und unten schwamm weithin das ganze Tal in Duft und Gold.”
Herrlich, sagten sich anscheinend auch die lokalen Verantwortlichen und nannten die Region um Maienfeld kurzerhand „Heidiland“ – inklusive Heidi-Erlebnisweg, Heidi-Musical, Heididorf und der Heidicard. Suggestion ist hier das Stichwort, denn die Region dürfte mittlerweile etwas anders aussehen als vor 130 Jahren. Aber vielleicht ist es sogar eine Win-Win-Situation, und die Spyri-Literatur wie auch die Region profitieren von der Namensgebung– rein ökonomisch allerdings. Von der einheimischen Bevölkerung wird der Markenname übrigens abgelehnt.

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10. August 2006
In dem Artikel „Auf der Suche nach Nähe“ in der Welt vom 24. März 2006 schreiben die beiden Autoren in Zusammenhang mit dem Atlas für Handlungsreisen.de, dass man Stolz empfindet, wenn der Heimatort Schauplatz eines Romans geworden ist. Warum ist das so? Fühlt man sich bestätigt, weil dem Heimatort eine gewisse Bedeutung beigemessen wird – und damit auch der eigenen Existenz? Haben Sie denn schon recherchiert, ob Ihre Heimat Schauplatz geworden ist?
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8. August 2006
Gabriel García Márquez wurde am 6. März 1927 oder 28 in Aracataca, einer nordkolumbianischen Kleinstadt geboren. Im Jahre 1967 siedelte er seinen Welterfolg “Hundert Jahre Einsamkeit” in eben dieser Kleinstadt an – allerdings inkognito, denn im Roman heißt die Stadt “Macondo”. Der Bürgermeister der Stadt erinnerte sich jüngst an diesen Umstand und rief die Bevölkerung auf, für eine Umbennung zu stimmen. Er versprach sich wahrscheinlich einen Bedeutungszuwachs und in der Folge wachsende Einnahmen im Tourismusgeschäft. Nur sein Volk machte nicht mit. Es lehnte den Antrag ab, in dem es mehrheitlich nicht an die Urnen ging. Und vielleicht dachten sie dabei auch an Márquez, der sich bei der Wahl eines fiktionalen Handlungsortes schon etwas gedacht haben wird.
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