24. April 2008
“Wenn man wirklich fliehen möchte, (…) dann müßte man weiter gehen, viel weiter – bis zu den letzten weißen Flecken auf der Landkarte, die es immer irgendwo gibt. Aber weiße Flecken haben gerade die Eigenart, dass sie unerreichbar sind. Sonst wäre sie nicht weiß.”
Aus Fast ein bißchen Frühling von Alex Capus
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12. December 2007
Karl May war ein waschechter Gaukler. Er gab vor, direkt aus der Welt von Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi zu kommen, die er in seinen Büchern beschrieb. Aber er hatte zum Zeitpunkt des Schreibens keinen der von ihm beschriebenen Schauplätze selbst besucht. Aus zweiter Hand, also in Büchern, Zeitschriften und Zeitungen fand er das nötige Hintergrundwissen für seine Erzählungen. Die Ausstellung „Karl May – Imaginäre Reisen“ im DHM zeigt weitere Quellen der Inspiration, wie Fotographien, Postkarten und Verpackungen mit exotischen Motiven, deren Sammeln gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Reiseersatz diente. Sie weckten Neugierde und Sehnsüchte, als das Reisen über Europa hinaus noch teuer, beschwerlich und letztlich nur Wenigen vorbehalten war. Und Karl May war so erfolgreich, weil er diese Gefühle bediente. Heute ist May nicht mehr populär, weil Reisen keine Exklusivität mehr besitzen – höchstens noch für Kinder. Und schon alleine wegen des Photos „Karl May mit kostümierten Gästen in seinem Garten, 1906“ lohnt sich ein Besuch der Ausstellung.
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3. July 2007
“Im Grunde sind äußere Reisen nicht von ganz anderer Art als innere, imaginäre Reisen. Nur der Aufprall des Fremden wirkt handgreiflicher, sichtbarer”, so der Kulturtheoretiker Hans-Jürgen Heinrichs. “Alles, was einer woanders erlebt, kann er, im Prinzip auch zu Hause erleben. Nur hindert ihn in der eigenen Kultur allzuoft das Eingespielte des Alltagslebens daran, sich für anderes zu öffnen.”
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24. April 2007
Die Stadt Dublin ist der kontinuierliche Held in den Werken von James Joyce. Wie erklärt sich diese zähe Bindung, immerhin verbrachte er 2/3 seines Lebens im freiwilligen Exil (Triest, Zürich, Paris, Rom).
Aleida Assman gibt in dem Band drei Antworten:
1. Dublin ist Schauplatz seiner familiären Lebensgeschichte und damit die Stadt seines Erfahrungs- und Wissensschatzes.
2. Joyce ist Exilautor. Er verlies Irland aufgrund seiner Familie, Provinzialismus, Katholizismus & Nationalismus, hat sich aber geistig und emotional keinen Schritt entfernt. Es entstand ein ambivalentes Verhältnis von räumlicher Ferne und emotionaler Nähe.
3. Dublin ist kein Zentrum, wohl aber ein Mikrokosmos, der die Welt im kleinen abbildet. Joyce war der Überzeugung, dass der Weg zum Universalen über das Lokale und Nationale führt. Er sagte einmal: “Was mich anbetrifft, ich schreibe immer über Dublin, denn wenn ich zum Herzen von Dublin vordringen kann, kann ich auch zum Herzen aller Städte der Welt vordringen. Im Besonderen ist das Allgemeine enthalten.”

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7. December 2006
Es ist nur noch eine Frage der Zeit und dann kommt das erste Buch mit Handlungsorten irgendwo in der Onlinewelt “Second Life“.

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27. November 2006
Ich befinde mich momentan mit Felicitas Hoppe & Pigafetta mit einem Containerschiff auf Weltumrundung – fast ohne Landgang, dafür naturgemäß mit Überquerung der Datumsgrenze. Und damit der Leser die Reise mit dem Finger nachvollziehen kann, gibt es eine Karte plus Erkenntnis, dass es die Seekrankheit des Herzens gibt.

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20. November 2006
Nun also der gesponserte weltreisende Autor – live im Netz der Leser (zumindest ein paar Photos).
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26. September 2006
“Reisende, die unter Anleitung von Reiseführern exotische Orte aufsuchen, finden in der Fremde nichts als das Erwartete”. Ilse Aichinger definiert die Reise dagegen um: “Deshalb ist es mir lieber, immer dieselben Wege zu gehen oder dieselben Strecken zu fahren. Die Qualität der Entdeckungen wächst, bringt Ruhe und neue Aufbruchsmöglichkeiten”. Als erfahrene sessile Touristin genügen ihr kleinste Impulse wie Prospekte, Zeitungsartikel oder Sätze von Kaffeehausgästen, um auf Fahrt zu kommen. Und so hat sie ihre Unglaubwürdigen Reisen im Kaffeehaus sitzend unternommen und entführt in 51 Texten in alle Himmelsrichtungen und Distanzen (S. Fischer Verlag, 2005).
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23. August 2006
“Alles Unglück der Menschen rührt davon her, dass sie nicht in Ruhe im Zimmer bleiben können.”
Blaise Pascal.
Zur Senkung des Reisefiebers empfehle ich dann das Lesen von Büchern, die von der Fremde erzählen. Keine gute Vorstellung für die Tourismus-Industrie, wohl aber für Verlage.
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